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Weltbürger-Register

 

In Folge der Aufsehen erregenden Aktionen von Garry Davis und seinen Mitstreitern im Herbst 1948 wurde Anfang 1949 das Weltbürger-Register in Paris gegründet. Es war die Hochzeit der Weltbürger-Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Innerhalb kurzer Zeit ließen sich Hunderttausende als Weltbürger registrieren. In der deutschen Wochenschau (Video), welche damals in den Kinos vor den Hauptfilmen abgespielt wurde, war die Weltbürger-Bewegung Gegenstand der Berichterstattung. Eine Chronologie der Ereignisse kann man im RECIM-Info 2007 (PDF) nachlesen.

Zusätzlich kam es zu einer von den französischen Weltbürgern initiierten Bewegung, welche sie „Mondialisation“ nannten, was soviel wie Globalisierung bedeutet. Die heute eher negativ besetzte Bedeutung des Begriffes kannte man damals noch nicht. Es ging darum, dass sich Dörfer, Städte und Kreise symbolisch zu Weltterritorien erklärten. Das gemeinsame Bekenntnis lautete:

„Ohne uns im geringsten von unserer Bindung, unseren Pflichten und Rechten gegenüber unserer Region und Nation loszusagen, soweit diese mit einer Weltordnung vereinbar sind, erklären wir uns symbolisch zu einem mit der Weltgemeinschaft verbundenen Territorium der Welt.“  (Quelle)

In Frankreich gab es über 500 Mitglieder, in Deutschland lediglich vier (Liste der Orte). Einen interessanten Einblick in die Geschichte vermittelt der im Juli 2017 in der britischen Tageszeitung "The Guardian" erschienene Artikel "Mondialists, unite!", der anschließend auch auf Deutsch in "der Freitag" erschienen war.

Das Weltbürger-Emblem als Skulptur 1949 vor dem Rathaus von Cahors, der ersten Weltbürger-Stadt

Das Strohfeuer der Begeisterung war schnell erloschen. Garry Davis und die Pariser Weltbürger hatten sich getrennt. Der Kalte Krieg und die Stellvertreterkriege zwischen Ost und West ernüchterte die Menschen. In Deutschland geriet die Weltbürger-Bewegung wegen finanzieller Probleme und Zersplitterung in die Bedeutungslosigkeit. Das ging in vielen Ländern so und im Ostblock war Bewegung sowieso verpönt, wenn nicht sogar verboten. Aber das Registre des Citoyens du Monde, Abkürzung RECIM, blieb weiterhin aktiv, auch wenn das öffentliche Interesse mehr und mehr abnahm.

Der Schreck über die Kubakrise war noch nicht abgeklungen, als man 1966 mit dem "Aufruf der 13" versuchte, der Bewegung neuen Schwung zu verleihen. 13 Weltbürger von internationalem Ruf forderten die Menschen dazu auf, sich als Weltbürger einzuschreiben. Jedoch dominierte der Ost-West-Gegensatz in der öffentlichen Debatte so stark, dass dieser Appell kaum Widerhall fand. Zudem steckten viele Weltbürger ihre ganze Energie in den europäischen Einigungsprozess.

Die Aktivisten des Weltbürger-Registers arbeiteten weiter unbeirrt an dem großen Ziel, veranstalteten Seminare, Wahlen und Kongresse, brachten eigene Initiativen auf den Weg und führten die Tradition der Registrierung von Weltbürgern bis in unsere Tage fort. Dabei blieben leider kräftezehrende Streitigkeiten und Spaltungen nicht aus. Von den Aktivitäten zeugt die offizielle Website von RECIM, mit ihren umfangreichen, aber leider auch unübersichtlichen Unterseiten. Es lohnt ein Gang durch die virtuelle Ausstellung zur Geschichte der Bewegung.

Das internationale Büro von RECIM befindet sich heute am Boulevard Vincent Auriol in Paris. Hier kann sich jeder kostenlos als Weltbürger eintragen lassen.

Foto Google Streetview

Foto Google Streetview

Gegen ein Entgelt bekommt man einen Weltbürger-Ausweis ausgestellt. Der ist allerdings kein offizielles Identitätsdokument – darauf wird von RECIM ausdrücklich hingewiesen – , sondern lediglich eine Bestätigung der Eintragung als Weltbürger, ähnlich eines privaten Clubausweises. Er ist auch nicht mit dem World Passport nach Garry Davis zu verwechseln, mit dem man um die ganze Welt reisen kann und dabei die eine oder andere Arrestzelle besichtigen darf.

Die Infos von RECIM sind von Interesse, damit die frühen Erfolge der Weltbürger-Bewegung, insbesondere im frankophonen Raum, nicht in Vergessenheit geraten. Aber was bringen sie darüber hinaus für den Fortschritt der politischen Einigung der Menschheit? Im Weltbürger-Forum wurde das kritisch reflektiert, insbesondere auch deswegen, weil bei dem Register und seinem organisatorischen Umfeld irrationale Tendenzen sichtbar wurden. Auch der Sinn der im Prinzip unverbindlichen Weltbürger-Registrierungen für die heutige Zeit wurde in Frage gestellt. Deshalb folgendes Fazit:

Leider lässt sich die gegenwärtige Situation nicht günstiger beurteilen. Bleibt abzuwarten, wie sich die Aktivitäten zum 70. Jubiläum der Pariser Weltbürger-Aktionen von 1948/49 praktisch auswirken. Die Vorbereitungen dazu geben Grund zu Skepsis und Kritik. Allerdings ist für die Veranstaltung der Verein "Pangee 2.00" verantwortlich und nicht das Weltbürger-Register. Aber die Präsidentin des Vereins gehört auch zum Aufsichtsrat des Registers und hat dort aktuell den Posten des Sekretärs inne.